Lernen im Alter: Besonderheiten in der Arbeit mit älteren Menschen

Ältere Menschen lernen nicht wie Kinder. Sie verfügen über einen großen Erfahrungsschatz, haben viel erlebt, gearbeitet, gelernt und gemeistert – und diese Erfahrungen (sowie die Affinität zu Technik) sind innerhalb einer Gruppe meist sehr unterschiedlich. Daher sind der persönliche Kontakt und die individuelle Anpassung an die Teilnehmenden von besonderer Bedeutung. Zudem haben viele ältere Menschen seit längerer Zeit keine formalen Lernprozesse mehr durchlaufen. Grundsätzlich beachten sollten Sie:

  • Ermutigung ist manchmal wichtiger als jede Erklärung
  • kein Zeitdruck
  • Wiederholungen einplanen
  • Erklärphase und Übungsphase sollten getrennt sein (wenn jemand gleichzeitig zuhören und auf dem Gerät tippen soll, ist das oft überfordernd)
  • während des Übens nicht weiterreden
  • immer nur eine Aufgabe auf einmal stellen

 

Um den Lernprozess optimal zu begleiten, möchten wir Ihnen im Folgenden einige konkrete Tipps zur Arbeit mit älteren Menschen geben.

1. An der individuellen Motivation anknüpfen

Lerninhalte sollten immer einen klaren Bezug zum Alltag haben. Je praktischer und konkreter, desto besser. Den Teilnehmenden sollte immer klar sein, wozu sie einen bestimmten Inhalt im Alltag brauchen.

Erfragen Sie die Motivation der einzelnen Teilnehmenden, denn nicht alle lernen aus demselben Grund:

  • Manche wollen mit der Familie digital in Kontakt bleiben.
  • Andere möchten selbstständiger sein.
  • Manche kommen vorwiegend, um neue Menschen kennenzulernen.
  • Wieder andere fühlen sich vielleicht von ihrem Umfeld zur Nutzung digitaler Geräte gedrängt.

Beziehen Sie die Biografie und die aktuelle Lebenswelt ein. Ältere Menschen haben unterschiedliche Lebensgeschichten. Manche sind sehr aktiv, andere eher zurückgezogen. Manche haben viel Technik-Erfahrung, andere kaum.

Hilfreich ist:

  • nach Interessen fragen
  • an frühere Erfahrungen anknüpfen
  • Beispiele aus dem Alltag nutzen
  • persönliche Ziele klären

Je stärker der Bezug zum eigenen Leben, desto nachhaltiger der Lernerfolg.

Wichtig: Unterschätzen Sie den sozialen Aspekt nicht: Für viele ältere Menschen sind Lernangebote auch ein sozialer Treffpunkt. Planen Sie daher Pausen ein, ermöglichen Sie Gespräche und Austausch. Oft entsteht der Wissenszuwachs ganz nebenbei im Gespräch.

2. Das passende Lernumfeld schaffen

Schule oder Ausbildung liegen bei den Teilnehmenden viele Jahre zurück. Manche verbinden Unterricht mit Druck oder schlechten Erfahrungen. Empfehlenswert ist deshalb:

  • Fehler als normal darstellen
  • Geduld zeigen
  • kleine Schritte gehen
  • Alltagssprache verwenden, möglichst wenige Fachbegriffe
  • eine freundliche, entspannte Atmosphäre schaffen. Ein Raum mit „Schulcharakter“ (Reihen, Lehrperson vorne) kann unangenehme Erinnerungen wecken. Besser sind Sitzgruppen an Tischen und gemeinsames Arbeiten auf Augenhöhe.

Ein ganz wichtiger Grundsatz:

Nehmen Sie der Person das Smartphone oder Tablet nicht aus der Hand.

Auch wenn es schneller geht – es kann sich entmutigend anfühlen. Ziel ist, dass die Lernenden selbst aktiv werden. Selbstständiges Ausprobieren stärkt das Gefühl „ich kann das.“

Das braucht Zeit. Besonders am Anfang.

Bleiben Sie ruhig, ermutigend und geduldig.

3. Altersbedingte Veränderungen berücksichtigen

Mit zunehmendem Alter verändern sich Wahrnehmung und Beweglichkeit. Das hat Einfluss auf das Lernen. (Vgl. Preßmar, Florian (2017): Silver Surfer – Förderung der Medienkompetenz von Senioren. [Dissertationsschrift])

Veränderungen der Wahrnehmung

  • Sehkraft und Schärfentiefe können nachlassen
  • Farben werden anders wahrgenommen
  • das Hörvermögen kann eingeschränkt sein
  • der Tastsinn kann abnehmen

→ Wichtig für die Praxis:

  • für gute Beleuchtung sorgen
  • große, gut lesbare Schrift verwenden
  • auf starke Kontraste achten
  • deutlich und nicht zu schnell sprechen
  • Nebengeräusche reduzieren
  • hilfreiche Geräteeinstellungen (z. B. Schriftgröße) zeigen
  • Alternativen für die Bedienung technischer Geräte zeigen, beispielsweise Tablet-Stifte als Alternative zur Touch-Bedienung

Veränderungen in Beweglichkeit und Motorik

  • Feinmotorik kann eingeschränkt sein
  • Bewegungen fallen schwerer

→ Wichtig für die Praxis:

  • Geräte gut erreichbar platzieren
  • auf barrierearme Umgebung achten